24.o3.2o16

 

Kleid & Shirt "Mathilda" von Kreativlabor Berlin

in der Schwangeren-Variante

Umstandsmode selber nähen? Das kam für mich irgendwie nicht in Frage. Ich dachte, es müsse doch wahnsinnig kompliziert sein einen schönen Schnitt so umzugestalten, dass da auch die große Murmel hinein passt. Ich fand auch kein Schnittmuster von Umstandskleidung, welches mir so wirklich zusagte.

Dann kam der Aufruf zum Probenähen für das Kleid "Mathilda" von Julia (Kreativlabor Berlin). Ich sah die ersten Modelle und war total hin und weg vom Schnitt. Ich guckte mir meine gekauften Umstandsshirts an und dachte mir: "Hey, soooo schwer kann es doch gar nicht sein." Und es ist wirklich super leicht! Sieh selbst, wie einfach du Schnittmuster an deinen Babybauch anpassen kannst.

Zum Ebook

 

Bevor ich zum Tutorial komme, erstmal was zum Ebook. 

"Mathilda" ist ein Mehrgrößenschnitt und das von 32-52! Was mir richtig gut gefällt ist die Printmöglichkeit in A0. Wenn man, wie ich, es hasst Schnittmuster zusammenzukleben und zufällig direkt über einem Copyshop wohnt... Tja, ich habe es dieses Mal nicht gemacht, weil ich zu ungeduldig war und das Schnittmuster an einem Wochenende zusammensetzte. "Mathilda" gibt es in 8 Varianten: lange/kurze Ärmel, Roll- oder Bubikragen, mit Kapuze und "normalem" Halsausschnitt und das alles jeweils als Kleid oder Shirt. Gut geeignet sind dehnbare Stoffe aber auch Alpenfleece, welches in der Regel nicht so stark dehnbar ist. Somit können sowohl für den Sommer leichte luftige Shirts und Kleider entstehen aber auch richtige Kuschelteile für den Winter. 

Jeder Einzelschritt ist mit Bildern und Text detailliert erklärt. 

Meine Meinung zum Ebook

 

Mir gefällt "Mathilda" richtig gut. In einem Ebook direkt so viele Varianten. Ich habe Für meine beiden Varianten den Schnitt nicht doppelt ausgedruckt sondern an den markierten Stellen im Schnittmuster einfach umgeknickt und den Hoddie genäht. Wenn ich als nächstes wieder das Kleid nähen möchte, kann ich es ganz einfach ausklappen. Wie man es von Julia gewohnt ist, ist das Ebook sehr professionell und übersichtlich gestaltet. Ich hatte keinerlei Probleme mich zurecht zu finden. Und es war das 1. Mal, dass ich mir Kleidung aus elastischen Stoffen genäht habe! Für den Bauchzwerg habe ich nun schon einiges genäht aber das sind immer soooo kleine Teile. Und wenn selbst ich ohne Overlock tolle Ergebnisse erzielen kann, kannst du das schon lange. 

Ich könnte mir für den Sommer auch vorstellen die Ärmel weg zu lassen und den Halsausschnitt zu vergrößern. 

Beide Versionen sind aus Sweat. Beim Kleid habe ich den Ausschnitt aus einem etwas festeren Jersey gearbeitet. Die Knöpfe habe ich selbst bezogen, damit sie auch wirklich zum Kleid passen. Mein Prinz sagt immer, ihn erinnere das an ein Nachthemd, weil der Stoff so zarte Töne hat. :D Ich mag es trotzdem. Es ist eine wirklich ungewöhnliche Farbe für mich. Aber wenn man seine Kleidung schon selbst näht, kann man auch mal etwas mutiger sein. ;) 

Bei mir siehst du hier und da noch leichte Wellen. Ich habe einfach nicht ausreichend gebügelt nach dem Nähen. 

Mein Hoddie hat keine Kordel, einfach weil ich es nicht mag. Ich habe einen ganz normalen Saum gemacht und den mit der Zwillingsnadel abgesteppt. Es war übrigens das 1. Mal, dass ich meine Zwillingsnadel genutzt habe! Jedes Mal probiere ich etwas ganz neues aus, wenn ich Schnitte von Julia teste. 

Anpassung des Schnittmusters

In meiner Methode wird das Schnittmuster im Grunde genommen nicht verändert. Die Anpassung für den Bauch kommt allein durch eine Raffung des Stoffes. Dieser geraffte Stoff legt sich dann wie ein Fächer über den Bauch. Es gibt prinzipiell auch die Möglichkeit einen Keil in die Seite zu nähen. Das mag ich persönlich nicht, da die Kleidungsstücke dann oft komisch vom Bauch abstehen.

Das Kleid bzw. die Shirt-Variante haben eine schöne Taille. Wenn du den Bauch nach vorn trägst (so wie bei mir), kann die Taille im Schnittmuster bleiben. Wenn du eher seitlich trägst, sollte die Taille etwas begradigt werden. 

Solltest du stark zugenommen haben und/oder viel Wasser einlagern, solltest du den Schnitt 1 Nummer größer als gewohnt wählen. Aber im Ebook findest du eine Maßtabelle, welche dir hilft die richtige Größe zu finden. 

Wie oben beschrieben, wird der Stoff um den Babybauch herum gerafft. Hierfür benötigst du 2 Werte. 

  1. Position der Raffung
  2. Höhe vom Bauch

Zu den beiden Maßen:

  1. Die Rafffung sollte natürlich in Bauchhöhe erfolgen. Damit du die richtige Position im Schnittmuster kennzeichnen kannst, habe ich einen Tipp für dich. Ich heftete mit Nadeln das Rückenteil auf ein T-Shirt. Beim Vorder- und Rückteil sind an den Seiten 2 Knipse zur Orientierung. Von diesem Knips ausgehend maß ich ab, wo die Rundung beginnt. Dann nahm ich die Vorlage für das Vorderteil und kennzeichnte mit einem weiteren Knips die Startposition vom Bauch. 
  2. Die Höhe vom Bauch kann sehr stark variieren. Manche haben einen kleinen Kullerbauch, andere einen sehr langgestreckten. In meinem Fall beträgt die Höhe vom Bauch ca. 15 cm. Um diese 15 cm erlängerte ich das Vorderteil. Grund: Nun habe ich für die Bauchpartie die doppelte Länge Stoff, welche sich um den Bauch legen kann. Bei manchen wächst der Bauch nicht so enorm, dass sie die doppelte Stofflänge benötigen. Hier empfehle ich vielleicht erstmal den Schnitt wie beschrieben anzupassen, das Kleid oder Shirt anzuziehen und folgend die Raffung mit etwas Spiel dem Bauch anzupassen.Zum Schluss kannst du den Stoff, der im Vergleich zum Rückteil übersteht, einfach abschneiden.

Ich habe 2 Methoden zum Raffen von Stoffen getestet. Es gäbe noch eine 3. Methode, dazu später mehr. 

Methode 1: Elastischer Unterfaden

Hierbei wird ein elastisches Nähgarn als Unterfaden verwendet. Diese Methode wird auch als "smoken" bezeichnet. Anders als bei Oberteilen, Kleidern und Hosen wird hier nur eine senkrechte Naht gesetzt. 

Wer (wie ich zuvor auch) noch nie mit einem elatischen Unterfaden gearbeitet hat:

  • Der Faden wird von Hand auf eine Unterfadenstule gewickelt und ganz normal in die Kapsel oder das Fach für den Unterfaden gelegt. 
  • Die Oberfadenspannung sollte reduziert werden. 
  • Die Stichlänge könnte vergrößert werden z.B. von 2,5 auf 3. 
  • Unbedingt die Einstellungen an einem Probestück vom Stoff testen! Jede Maschine verhält sich hierbei anders. 

Wenn der Schnitt angepasst wurde, wird ganz normal nach der Anleitung genäht, bis du zum Punkt kommst, an dem die Seitennähte geschlossen werden. Ich nähte hierbei auf beiden Seiten bis zum Knips. Erst danach wurde das Vorderteil gerafft. 

Bei dem elastischen Unterfaden ist es wichtig, dass hierbei nicht zu Beginn und am Ende verriegelt wird. Setze nun knappkantig eine Naht mit der doppelten Höhe deines Bauches. Die Länge der Naht = Doppelte Bauchhöhe. In meinem Fall also 30 cm. 

Da der Stoff bei meiner Maschine nur um 25 % gerafft wird, zog ich an den Fäden und raffte den Stoff zu meinen gewünschten Maßen. Als Orientierung nahm ich die untere Stoffkante vom Rückteil. 

Wenn der Stoff gerafft wurde, kann er mit Nadeln oder Clips mit dem Rückteil befestigt werden. Nun kannst du mit der Overlock oder einem elastischen Stich deiner Nähmaschine mit der gewohnten Nahtzugabe beide Teile zusammen nähen. Wenn du wirklich knappkantig gearbeitet hast, wurde die Naht mit dem elastischen faden bei der Overlock direkt abgeschnitten. Bei einer "normalen" Nähmaschine kann diese zusätzliche Naht abgeschnitten werden. 

Nicht bei jeder Maschine funktioniert die Technik mit dem Unterfaden. Für solche Fälle habe ich einen Klassiker getestet, welchen ich oft bei den Kochmützen hier und hier eingesetzt habe. 

Methode 2: Zahnseide oder Küchengarn

Mit Zahnseide oder Küchngarn nähen? Wofür du dich entscheidest ist egal. Hauptsächlich benötigst du einen sehr reißfesten Faden. Gewöhnliche Nähgarne reißen bei dieser Methode zu schnell. Im Folgenden schreibe ich nur noch Zahnseide, es geht jedoch beides. 

Der Faden sollte länger als die zu nähende Strecke sein. Die Länge der Naht = Doppelte Bauchhöhe. In meinem Fall also 30 cm. Wie in der 1. Methode sollte knappkantig gearbeitet werden.

Nun wird die Zahnseide mit einem Zick-Zack-Stich umschlossen. Nähe hierbei nicht durch die Zahnseide. Eine Alternative wäre, nur mit dem Zick-Zack-Stich eine Naht zu setzen und anschließend mit einer geeigneten Nadel die Zahnseide unter den Fäden hindurch zu ziehen. 

Der Stoff des Vorderteils kann jetzt so stark gerafft werden, bis beide Teile gleich lang sind. Als Orientierung fixierte ich die unteren Stoffkanten beider Teile mit einem Clip und zog solange an den Fäden, bis beide Stofflagen wie gewohnt aufeinander lagen. Der geraffte Stoff sollte gleichmäßig über die gesamte Länge verteilt sein. 

Mein Tipp ist, die Zahnseide an einem Ende mit einem Geradstich quer zum Faden zu fixieren. So löst sich die Raffung nicht so schnell auf. 

Die Seitennähte können wie gewohnt verschlossen werden. 

Die 3. Variante wäre ein elastisches Band namens Framilonband. Ich habe damit noch nie gearbeitet aber selbst Oberteile, bei denen man dieses Band noch sieht. Wer sehr viel raffen möchte und den elastischen Unterfaden nicht verwenden kann, sollte das mal versuchen. 

Der Hoddie ist für mich zu einem echten Wohlfühlteil geworden. Ich mag den so sehr. Selbst meinem Prinz gefällt er sehr gut und er möchte nun nach so vielen jahren ebenfalls, dass ich ihm etwas nähe. 

Ich wünsche dir viel Spaß mit dem Ebook!

 

Deine Filzprinzessin

 

Blogparty: RUMS, Meertje

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Kommentare

  • Fanny (Donnerstag, 24. März 2016 05:18)

    Das Kleid sieht richtig süß aus. Ein ganz bezaubernder Stoff. Und das Grün passt hervorragend. Dieses Grün verarbeite ich auch gerade, ich liebe es, denn es ist so schön frühlingshaft. LG, Fanny

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